Kapitel 24 · Bauphysik
Bauphysikalische Einordnung & Grenzen
Nanofassadendämmung ist eine thermoreflektierende Dünnschicht-Beschichtung. Dieses Kapitel ordnet ihre energetische Wirkung ein und benennt offen die Grenzen der Bewertung – insbesondere im Verhältnis zu klassischen Dämmstoffen und zum Gebäudeenergiegesetz (GEG).
Was bedeuten die λ-Angaben des Systems?
Die angegebenen λ-Werte (z. B. 0,000120 W/mK) sind Systemleistungswerte, ermittelt unter definierten Prüfbedingungen (Hotbox-Verfahren). Sie entsprechen nicht der Wärmeleitfähigkeit eines Materials im Sinne der Normen EN 12667 oder EN 12664.
Ist das ein klassischer Dämmstoff?
Nein. Es handelt sich um eine thermoreflektierende Dünnschicht-Beschichtung, deren Wirkung auf Strahlungsreflexion und reduzierter Wärmeleitung beruht – nicht um einen volumendämmenden Dämmstoff mit deklariertem Bemessungswert λ.
Ersetzt das System einen U-Wert-Nachweis nach GEG?
Nein. Da kein Material-λ nach EN 12667/12664 vorliegt, lässt sich das System nicht ohne Weiteres in eine U-Wert-Berechnung einsetzen. Ein energetischer Nachweis nach GEG ist projektspezifisch und durch eine fachkundige Person zu führen.
Wie verhält sich das System zur Feuchte?
Der Gesamtaufbau (Grundierung + Funktionsschicht + Abschlussbeschichtung im Verbund) ist mit einem rechnerischen Systemwert von sd ≈ 0,44 m dampfdurchlässig (Klasse V2 nach EN 15824) und weist eine geringe Wasseraufnahme auf (Klasse W3). Das ist für den Feuchtehaushalt günstig; der konkrete Tauwasserschutz ist dennoch objektbezogen zu prüfen.
Energetische Wirkung – richtig eingeordnet
Die thermoreflektierende Wirkung kann den Wärmeeintrag durch Strahlung und die Oberflächentemperaturen beeinflussen. Diese Effekte sind real, aber stark von Randbedingungen abhängig (Orientierung, Besonnung, Untergrund, Klima) und lassen sich nicht pauschal in einen äquivalenten U-Wert übersetzen. Aussagen zur Energieeinsparung sind daher immer im konkreten Anwendungsfall zu betrachten.